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February 11, 2008

Der Zielpullover

veroeffentlicht in: 15 Kilo abnehmen in 2 Monaten

Wo ist er? Er war doch letzte Woche noch im obersten Schubfach. Ich weiß genau, dass ich ihn da hineingelegt hatte. Hat ihn der Hund gefressen? Haben sich die Kinder damit ein Zeltlager errichtet? Was auch immer geschehen ist: Er ist einfach weg – mein Lieblingspullover. Der einzige Pullover, der es vermag, meiner enormen Leibesfülle zu trotzen und nicht einfach nur zu passen, sondern auch noch genügend Freiraum für unbeengte Bewegung zu bieten. Der einzige bequeme Pullover, den ich habe.

Und das ausgerechnet heute, wo Gartenarbeit auf dem Programm steht. Hacken, jäten, Unkraut zupfen, umgraben und grubbern (Keine Ahnung, was das ist – erinnere mich aber noch dunkel an den Begriff aus dem Schulgarten). Und das alles ohne Lieblingspullover? Undenkbar.

Ich gebe zu - er hat erheblichen Mottenfraß und ist mit seinen ausgefransten Bündchen nicht mehr wirklich öffentlichkeitstauglich. Auch die ehemals schwarze Farbe des Stoffes ist auf der Loriotschen Farbskala heute bestenfalls noch als „frisches Mausgrau“ einzustufen. Aber ich liebe ihn nun mal. Und Liebe macht bekanntlich blind. Jetzt ist er weg.

Es hilft nichts – ich muss den doofen Pullover anziehen. Den Army-grünen mit gelbem Streifen auf Brusthöhe. Der so furchtbar spannt. Mit dem ich immer aussehe wie eine Olive mit Mandelfüllung. Augen zu und durch (durchs Kopfloch), Luft anhalten, Pullover runterrollen, ausatmen, und… Jetzt ist es tatsächlich passiert. Das Oberteil fällt bequem und lässt sich über meinem Bauch sogar noch ein paar Zentimeter dehnen. Heute ist also der Tag. Dieser furchtbare, auswurfgrüne Pullover ist das erste Kleidungsstück, das mir plötzlich wieder passt. Ich habe tatsächlich abgenommen.

Die Gartenarbeit schlaucht natürlich trotzdem erheblich und ich komme für drei Stunden mächtig ins Schwitzen. Sämtliches Equipment müssen wir uns von Nachbars leihen, da neben dem Kleidungsstück auch Spaten, Hacke und Kralle verschwunden sind. Außerdem hat die Schubkarre einen Totalplatten und macht es somit unmöglich, mehr als 4 Schaufeln Erde auf einmal zu transportieren. Zur Krönung bricht nach einer Stunde auch noch der Griff von Nachbars Spaten ab. Ich überlege kurz, die Chance zu nutzen und mich auf nicht taugliches Werkzeug zu berufen, um den Arbeitseinsatz zeitiger zu beenden. Dem Kalorienverbrauch zuliebe halte ich aber durch.

Am Abend kommt Conny ins Arbeitszimmer und sagt, sie müsse mir ein Geständnis machen. Mein Lieblingspullover habe leider die letzte Wäsche nicht so gut vertagen und wäre nicht mehr ganz der alte. Meine Augen sind schreckgeweitet, als sie die grausame Wahrheit aus dem Versteck hinter ihrem Rücken hervorzieht. Ich hätte nun einen neuen Zielpullover, sagt sie.

„Um da jemals wieder reinzupassen, müsste ich nicht nur 30 Kilo abnehmen, sondern auch noch 15 Zentimeter schrumpfen.“, denke ich. Was soll’s - ab sofort mag ich einfach den grünen Pullover.


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