19.05.2008
Fahrrad-Nostalgie
Am Freitag erhielt ich mahnende Post vom Diätcoach: „Super, Sie halten erfolgreich an Ihrem Diäterfolg fest. Da wäre es doch an der Zeit einen noch größeren Schwerpunkt auf Ihre Bewegung zu setzen.“ Erst loben, dann meckern - das haben wir gern. Und ein pragmatischer Vorschlag war sogar auch dabei: „Gehen Sie täglicher Aktivität nicht aus dem Weg. Dies kann zum Beispiel heißen, kurze Wege zu Fuß zu bewältigen oder das Fahrrad zu nehmen.“ Und die passende Gelegenheit dazu bot sich tatsächlich direkt noch am Wochenende. Und das kam so:
Conny und ihre Freundin waren am Feitag auf der Piste. Wir Männer blieben zuhause und hüteten die Kinder. So weit, so gleichberechtigt. Da ich nun aber eine vernünftige Ehefrau habe, blieb das Auto nach ein paar Gläschen Wein selbstverständlich wo es war und besagte Ehefrau wurde wohlbehalten von einem (hoffentlich nüchternen) Taxifahrer ins heimische Ehebett gebracht – oder doch zumindest bis vor die zugehörige Haustür.
Nun war es aber leider so, dass ich am nächsten Tag zur Musikprobe ans andere Ende der Stadt bestellt war und besagtes KfZ daher dringend benötigte. Nun gut – nehme ich mir eben ein Taxi, gar kein Problem. Bis auf die mindestens 30 Euro Taxigeld. Doch halt – das war früher, als ich körperlicher Bewegung noch aus dem Weg ging. Heute nimmt die Geschichte hier natürlich eine andere Wendung. Ich packe also einen Rucksack mit dem Nötigsten (falls ich nicht durchhalten sollte und unterwegs kurz rasten muss), schnappe mein Handy für einen eventuellen Taxi-Notruf und steige aufs Fahrrad.
Und los geht eine Reise zurück in meine eigene Kindheit. Die Fahrradwege meiner Stadt erinnere ich nämlich noch dunkel aus der Zeit, als ich noch gar kein Auto hatte, geschweige denn eines hätte fahren dürfen. Zuerst quer durch den Park am Silbersee, wo ich mehr als einen Drachen hoch in den Baumkronen oder tief im See verloren habe. Dann über die winzige Eisenbahnbrücke und scharf abbiegen in die kleine Gartenschlippe, die mein Weg zur Grundschule war. In 20 Jahren hat sich hier überhaupt nichts verändert. Der Übergang zwischen Beton und Gartenweg ist noch genauso scharfkantig wie damals und die Untiefen im Boden hat auch niemand zugeschüttet. Ich kann sie immer noch mit geschlossenen Augen umfahren.
Am Friedhof vorbei, wo inzwischen auch mein Vater begraben liegt, und nach einem kurzen Stück Hauptstraße einbiegen in den nächsten Gartenverein. Jetzt bin ich auf dem Weg zum Gymnasium. In meinem geistigen Ohr läuft plötzlich eine Scheibe von George Michael, die mein CD-Walkman hier öfter gespielt hatte. Das Gehirn hat offenbar seine eigenen, unverwüstlichen Bahnen. Jetzt in die Kohlenstraße und vorbei an meiner alten Wohnung. Aus der Distille kommen die Kids erst jetzt in Scharen nach durchtanzter Nacht ans Tageslicht. Es ist fast zehn. Womit halten die sich nur heutzutage wach. So ein Zeug gab’s zu unserer Zeit jedenfalls nicht.
Nach 40 Minuten klingele ich bei Grit, stelle das Fahrrad in den Keller und steige doch noch ins Auto um. Ich bin spät dran und es reicht wohl auch fürs erste.
Fahrradfahren ist Nostalgie.






Freitag gegessen:
Vollkornbrötchen mit Käse und Honig, Müsli mit Banane, die 9 vom Chinesen ohne Panade (Hühnchen mit Nudeln und Wok-Gemüse), Spaghetti mit Tomaten, Ruccola, Knoblauch und Parmesan
Samstag gegessen:
Vollkornbrötchen mit Salami und Käse, Ei, Müsli mit Banane, Spargel mit Hollandaise, Roastbeef und Kartoffeln, ein paar Bissen Schwarzwälder-Kirsch-Eis, Schwarzbrot mit Schinken, Tomate
Sonntag gegessen:
Vollkornbrötchen mit Schinken und Honig, Müsli mit Banane, ½ Bagel mit Tomate und Mozarella, ½ Brownie, Apfel, Vollkorn-Farfalle mit Hackbällchen und Tomatensauce