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Gunter

Choucroute

Choucroute
© Windrose / PIXELIO

Über den guten elsässischen Wein und den leckeren Münsterkäse hatte ich ja bereits vor kurzem berichtet, über die elsässische Küche gibt es aber noch viel mehr zu erzählen - je nach Blickwinkel viel Gutes (Geschmack) oder eben nicht ganz so Gutes (Gehalt). Abnehmende oder abnehmwillige Leser brauchen jetzt wirklich gute Nerven - denn was jetzt gleich kommt, ist auf keinen Fall der Masterplan für eine ausgewogene und gesunde Ernährung! Ich selbst habe auch schlapp gemacht und den Großteil der gleich folgenden Gerichte nicht selbst probiert.

Der elsässische Schriftsteller, Filmemacher und Satiriker Martin Graff hat seine Region einmal als “gastro-touristische Fata Morgana” bezeichnet - und tatsächlich kann man hin und wieder gar nicht recht glauben, dass diese Gerichte sich tatsächlich vor einem auf dem Teller befinden. Insbesondere das königliche Sauerkraut “Choucroute Royale” ist eine einzige Fleisch- und Speckbombe mit seinen Bestandteilen aus geräuchertem Schwein, Schäufele, Kassler, Würstchen, Hack- und Leberklöschen, groben Schinkenwürsten und Schinken. Ich habe mich ehrlich nicht getraut, davon zu probieren. Häufiger aß ich hingegen den klassischen Flammkuchen, der einem als Tarte Flambée oder Flammkueche allerorten entgegenlachte und auch nicht gerade ohne ist - insbesondere in der regionalen Variante, die neben reichlich Speck zusätzlich auch noch dick mit Münsterkäse belegt ist. Das war dann ein echt schweres Gericht und den schwer ächzenden Miturlaubern am Tisch zufolge auch definitiv nicht jedermanns Sache.

Das sehr lecker klingende “Baeckeoffe” habe ich ebenfalls ausgelassen. Schweine-, Rinder- und Lammschulter einen ganzen Tag lang in purem Wein mariniert, mit tüchtig Knoblauchzehen und Gewürzen in einer Steingut-Terrine aufgeschichtet, mit Brühe aufgegossen und einem Teigdeckel verschlossen - das klingt zwar sehr urig, ländlich und lecker, passt aber wohl doch eher in die kalte Jahreszeit. Das Gericht entstand offenbar als kulinarischer Notbehelf für den Tag der Woche, an dem sich die Hausfrauen im Waschhaus trafen, wo sie den ganzen Vormittag mit Schwatzen und Waschen zu tun hatten und ergo wenig Zeit zum Kochen blieb. Also wurde in aller Herrgottsfrühe ein Baeckeoffe vorbereitet, den man auf dem Weg zum Waschhaus beim Bäcker abgab, der es dann zur Zubereitung für ein paar Stunden in seinen Bäckerofen schob (daher wohl auch der Name).

Na - Appetit bekommen? Und da kommt das Beste erst noch. Im nächsten Beitrag berichte ich nämlich über die süße Seite der elsässischen Küche.

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