Woche 100 von 100
ZIEL: 90kg
SOLL: 90 kg
IST: 89,3 kg
-1,9 kg
-66,1 kg
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Gunter

Currywurst

Es ist eine schwere Zeit für mich - im wahrsten Sinne des Wortes, denn diese Woche wiege ich das erste Mal seit einem halben Jahr über 90 Kilo. Ich bin da, wo ich eigentlich niemals wieder hin wollte. Noch vor kurzem hatte ich an dieser Stelle überambitioniert, mich selbst überschätzend und lauthals verkündet, mit dauerhaft unter 90 nicht zufrieden sein zu wollen und mir als neues Ziel die 85,4 Kilo gesetzt - jetzt bin ich der 95 näher als der 85. Schöne Bescherung!

Nun ja, vielleicht ist dieses Faktum zumindest beruhigend für all jene, die mich bisher für einen schier übermenschlich ambitionierten, rigorosen, hyperkonsequenten, unerbittlichen und verbissenen Diätkämpfer gehalten haben. Wie ihr seht, auch ich kann scheitern. Und diejenigen, die meinten, ich würde es übertreiben und langsam, schleichend und unmerklich direkt aus der Fett- in die Magersucht hinübergleiten, sind sicher auch beruhigt.

Schuld jedenfalls ist definitiv der Ruhrpott. Nicht alleinig und auch nicht hauptsächlich - und doch war er es, der den letzten Tropfen in das sprichwörtliche Fass gab, das nun übergelaufen ist. Und ein Wassertropfen war das nicht - sondern ein tiefroter, zähflüssiger, gleichermaßen scharfer wie süßlicher, aus Tomatenmark, Ketchup, Currypulver und sicher auch diversen geheimen Gewürzen angerührter Klecks Sauce auf einer Portion Currywurst mit Pommes.

Dabei bin ich nicht mal ein besonders großer Liebhaber der würzigen Wurstzubereitung. Und von denen gibt es bekanntlich einige - zum Teil nahezu fanatische und sogar einige recht prominente (ein gewisser Bochumer Sänger widmete dem Gericht gar einen eigens komponierten Musiktitel). Mich aber lässt der Klassiker der deutschen Imbissküche eigentlich kalt. Und dabei könnte ich nahezu wöchentlich der Versuchung erliegen, wenn die Berliner Variante der Delikatesse auf Bockwurstbasis in extra scharf und extra large von unserer Kantine gereicht wird - aber hoch oben im kühlen Norden klingt der Lockruf scheinbar nicht so stark.

Ganz anders aber im Ruhrpott zwischen Bochum, Dortmund, Essen und Duisburg - alles dort atmet Kohle, Stahl und Eisen, knallharte Kerle bedienen stampfenden Maschinen und schuften tagein, tagaus im Schweiße ihres Angesichts - da brauchen sie natürlich was Vernünftiges zwischen die Kiemen. Und so vermischen sich Rauch und Ruß mit dem süßlichen Duft der Currywurst und ergeben ein unwiderstehliches Gemisch. Dem bin also auch ich erlegen, der ich als Bürohengst mit körperlicher Arbeit nun wirklich gar nichts zu schaffen habe.

Geschmeckt hat sie lecker - das muss ich zugeben - aber demnächts kommt das Curry bei mir trotzdem wie gehabt wieder nur auf Hühnchen mit Reis und nicht auf die Wurst mit Pommes.

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