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Gunter

Schaulaufen

Ich war zum ersten mal Joggen. Nicht das allererste Mal natürlich - aber das letzte Mal davor dürfte wohl noch zu DDR-Zeiten gewesen sein, während meiner letzten Trainingseinheit als Kind. Jetzt, nach all den Jahren, ist es wieder da - das Laufen ohne Grund. Noch dazu in der Öffentlichkeit. Was habe ich mir nur dabei gedacht?

“Heut’ läufst du mal schön ‘ne Runde - 45 Minuten oder so.”, habe ich gedacht.
“Die Sonne scheint, die Bäume sind grün, das macht doch sicher Spaß.”, habe ich gedacht.
“Du stehst inzwischen doch so gut im Training. Mehrmals in der Woche Recumbent fahren und Wohnzimmer-Jogging - das muss doch was bewirken. Eine kleine Runde Jogging wirst du ja wohl konditionsmäßig durchstehen. Und zu schwer zum Laufen bist du langsam auch nicht mehr.”, habe ich gedacht.
Weit gefehlt.

Aber der Reihe nach. Direkt nach der Arbeit schlüpfe ich also in meine Sportklamotten. Da ich kein echter Sportler bin, habe ich natürlich auch keine echten Sportklamotten. Ein schwarzes T-Shirt (Aufdruck “FUNSELECTOR”), khakifarbene 7/8-Freizeithose und ein paar billige Turnschuhe (leider eben keine Laufschuhe). Sieht sicher putzig aus. Dazu die dunkle Sonnenbrille auf - falls mir unterwegs jemand begegnet, dem ich so bekleidet lieber nicht in die Augen schauen möchte.

Ähnlich professionell wie die Bekleidung war auch meine weitere Vorbereitung auf den ersten Lauf. Die einzige und wichtigste Frage an Marc, den einzigen Fast-Profi-Läufer den ich näher kenne, war ernsthaft: “Wo packst du eigentlich beim Laufen deinen iPod hin?” Seine überraschende Antwort: “Einfach so in die Hand.” Also mache ich das auch so. Profimäßig.

Jetzt aber raus auf die Straße, schauen wo niemand kommt und dann in diese Richtung losgetrabt. Noch ein kurzer Gedanke bevor es losgeht: “Vielleicht hätte ich besser fragen sollen, in welchem Tempo man eigentlich so läuft.” Zu spät. Es geht los.

1. Minute: Mann geht das schwer.
2. Minute: Aua - das tut weh.
4. Minute: Durch die Nase atmen. Ruhig uns gleichmäßig.
5. Minute: Langsamer laufen.
6. Minute: Jetzt Schneller.
7. Minute: Nein, doch besser wieder langsam.
9. Minute: Da kommt jemand.
10. Minute: Oh, ein Jogger.
11. Minute: Soll ich in diese Sackgasse einbiegen?
12. Minute: Wo bin ich?
13. Mnute: Wie viel Zeit wohl schon um ist?
14. Minute: Ich kann nicht mehr.
15. Minute: Ich muss umdrehen.
16. - 24. Minute: Ich hätte nicht so weit von zuhause weg laufen sollen.
25. Minute: Nie wieder!

Nach 25 Minuten war alles vorbei. Zusammengefasst hatte ich mich also mal so richtig schön überschätzt. Das nächste Mal weniger vornehmen und langsamer laufen. Zumindest hat mich aber niemand schräg angesehen, so nach dem Motto “Was soll das denn bringen bei dem?” Das war aber auch so ziemlich das einzige Positive an meinem ersten Lauf.

4 Kommentare zu “Schaulaufen”

  1. Gunteram 09.05.2008 um 07:40

    Dienstag gegessen:
    Banane, Ente mit Gemüse aus dem Wok und Reis, Sushi

    Mittwoch gegessen:
    Fitness-Bagel, Kichererbsenmus mit schwarzen Oliven und Fladenbrot, Apfel, Geflügelsuppe mit Spargel und Gemüse (DB-Bistro)

    Gestern gegessen:
    Körnerbrötchen mit Honig und Schinken, 1/2 Teller Nudeln mit Hähnchen, Spargel und Tomaten (und zu viel Sahne) vom Pizza-Dienst, 1/2 Chefsalat (Danke fürs Teilen, Bergo), Spagehtti mit Scampis

  2. Thomasam 09.05.2008 um 08:16

    Immer noch besser als Nordic Walking. ;-)

  3. schnattchenam 09.05.2008 um 09:28

    also, joggen ist schon so eine sache, da steht man auf anhieb drauf, oder es dauert lang, bis es einen so wirklich willkommen heißt. ich war ja nun nie besonders pummelig und dachte immer, eine gewisse grundfitness zu haben, aber die ersten 10 mal joggen (mein erstes ziel waren nur 25 minuten, und die hab ich kaum geschafft!) waren schmerzhaft, doof und todlangweilig. und dann gings irgendwann. es gibt übrigens so coole schwule armtäschchen für den ipod. wollt ich mir jetzt mal kaufen, habe angst vor schwitzwasser im mp3handy…

  4. Voegieam 09.05.2008 um 16:14

    Respekt vor den 25 Minuten, die muss man ertmal laufen wenn man das letze mal in der DDR gejogged ist. Damal hieß es ja noch Langlauf.

    Fürs erste mal sind 25 min zu viel, … die meisten Beginner Laufpläne starten in die ersten 2 Wochen mit 15 min, zwischendurch gehen. Dann 20, 25, 30 aber die Erhöhung im 2 Wochentakt. An dieser Stelle ist der Puls das A und O. Tempo so wenig wie möglich. Puls bei 125-140 … auf keinen Fall 165 oder höher. Besonders wichtig, wenn irgendwas weh tut: sofort aufhören und nach Hause oder zum Auto zurück „gehen“ (Ich sprech aus Erfahrung). Ansonsten ist es wie schnattchen sagt, … die ersten Male tun weh aber dann geht es irgendwann und macht sogar Spaß.

    hang on, der Voegie

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