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Gunter

Kantine

Kantinen haben für gewöhnlich einen schlechten Ruf. Und das meist zu recht. Das Kantinen-Essen ist in aller Regel lieblos zusammengerührt, fettig und halbwarm. Der Gast wiederum platziert sich inmitten von unzähligen Gesichtern, die er schon den ganzen Tag gesehen hat und auch noch den Rest des Tages sehen wird. Kantinen vermitteln einfach häufig den Eindruck, man hätte sein Tagwerk am Fließband oder der Maschine nur eben kurz unterbrochen, um sich zwischendurch von einer anderen Maschine am anderen Ende des Fließbands fix mit Nahrung versorgen zu lassen. Muss ja auch irgendwann erledigt werden…

So ist unsere Kantine glücklicherweise nicht. Mit dem etwas überambitionierten Titel “Food & Emotions” hängt sie die Messlatte zwar hoch und scheint so bereits an der Eingangstür ein Zeichen gegen das alltagsgraue Einerlei setzen zu wollen, tatsächlich aber ist es drinnen dann doch nicht ganz so gemütlich wie beim Portugiesen ein paar Straßen weiter. Auch ist es dort weder so günstig wie im thailändische Imbiss um die Ecke noch schmeckt es so hervorragend wie beim Franzosen im Souterrain. Aber unsere Kantine ist direkt unten im Bürogebäude, sie ist sauber und sie bietet jeden Tag vier verschiedene Essen an - je eines in den Kategorien “Food Friends”, “Traditionell”, “World Cuisine” und “Wellness”. Die beiden letzteren kann man eigentlich immer bedenkenlos zu sich nehmen. Sie sind frisch zubereitet, recht lecker und in der Regel nicht übermäßig gehaltvoll. Und für den allergrößten Notfall steht ein Salatbuffett als letzter Rettungsanker jederzeit bereit. Ein vernünftig bestückter Salatteller kostet zwar ein kleines Vermögen, aber eine leichte Alternative zu Paniertem, Frittierten, Mega-Currywurst und Pizzafreitag muss man sich im zweifelsfall eben auch mal was kosten lassen.

Letztens kam ich mir dann aber doch reichlich komisch vor, als ich mit einem im Rahmen der Brigitte-Diät-Aktionswochen am “Wellness”-Stand erworbenen Gericht zwischen den bereits platzierten und zahlreich erschienenen Kollegen und Kolleginnen Spalier laufen musste. Dieses Gericht nämlich beinhaltete neben diversen unverfänglichen Zutaten wie Reis und Bohnen unter anderem auch eine rosafarbene Rose. Nicht eben männlich und auch nicht sehr lecker… Die Rose hab’ ich nicht aufgegessen - trotzdem hatte ich das Gefühl, im Nachgang ein paar Tage lang von den anwesenden Personen nicht ganz den gewohnten professionellen Respekt entgegengebracht bekommen zu haben.

Aprospos Respekt: Sollten wir uns als arbeitstätige Bevölkerung eigentlich Sorgen machen, dass sich der Begriff Kantine ganz offensichtlich von dem italienischen Wort cantina ableitet, was so viel bedeutet wie “Flaschenkeller”?

Tröstlich: Auch ein allmächtiger Imperator wie Darth Vader hat in der Kantine schon mal Schwierigkeiten mit fehlendem Respekt…

2 Kommentare zu “Kantine”

  1. Gunteram 10.02.2009 um 19:24

    Montag gegessen:
    Müsli mit Apfel, Chinesisch: Rindfleischstreifen süß/sauer mit Zwiebeln und Reis, Äpfel, Salat mit Schrimps und Joghurt-Senf-Dressing, Orange

    Gestern gegessen:
    Müsli mit Banane, Äpfel, Chinesisch: Rindfleischstreifen mit Reis und Wokgemüse, Vollkornbrote mit Käse, Tomate, Gewürzgurken

  2. Tom (Purzelpfund.de)am 16.02.2009 um 16:59

    Dieses Video ist ja wirklich köstlich. Ich habe mich gekugelt vor Lachen. Was man ja von Kantinenessen nicht immer sagen kann…

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