25.08.2009
Lauf, Tonka!
Wie der geneigte Leser vielleicht bereits weiß, sind wir mehr oder weniger stolze Hundebesitzer. Mehr, weil es sich um eine - ich muss es offen zugeben - recht hübsche Hundedame handelt, die allerorten viel Lob für ihr überaus gelungenes Äußeres erntet, weniger, weil sie nicht nur ziemlich groß sondern dazu auch ziemlich ungestüm ist, was mitunter zu Verhaltensmustern führt, die einer wohlerzogenen Hündin nicht recht zu Gesicht stehen wollen.
Das Tier heißt Tonka und es handelt sich bei ihr um eine ziemlich exquisite Mischung aus Pyrenäen-Berghund, germanischem Bärenhund und Kaukasier. Das klingt zwar schon recht mächtig und beeindruckend, deutet aber bestenfalls sachte an, wie groß, zottelig und präsent die Dame tatsächlich ist. Einmal meinte ich in der Abenddämmerung aus der Ferne meine Frau beim Gassi-Gehen mit Tonka zu erkennen, bei näherer Betrachtung stellten sich die späten Spaziergänger aber als eine völlig andere, mir gänzlich unbekannte Frau nebst ihrem kleinem Pony heraus. Jetzt habt ihr vielleicht eine ungefähre Vorstellung…
Tonka hat viele hundetypische Eigenschaften: so zerbeißt sie gern alle möglichen Dinge, auf die man eigentlich noch gar nicht verzichten wollte - Bälle, Toilettenpapierrollen, Fahradschläuche, noch nicht ausgelesene Bücher - auch klaut sie gern Würstchen und gute, teure Rinder-Steaks von unbewachten Tellern, Brötchen, die man soeben erst frisch vom Bäcker geholt hat oder auch mal ein Frühstücksei. Ebenso gern reibt sie sich mit nassem, schlammigen Fell an ehemals weißen Wänden, wirft Freunde bei überschwänglicher Begrüßung zu Boden und tobt ungestüm mit anderen Hunden durch den Garten. In vielerlei Hinsicht handelt es sich also um einen ganz normalen Hund.
Gänzlich hunde-atypisch wiederum ist ihr Verhalten, wenn es um körperliche Ertüchtigung geht. Spielen ist mit ihr in der Regel recht einseitig - man kann das Stöckchen zwar werfen, sie wird es aber weder fangen, noch zurückbringen. Am liebsten liegt sie eigentlich einfach nur in einer schattigen Ecke oder auf dem kleinen Hügel in unserem Garten und wacht über alles, was das Licht berührt. Nur wann immer der Postbote sich blicken lässt, legt sie einen ordentlichen Sprint zum Zaun hin und vielleicht eines Tages auch einen beherzten Hochsprung.
Nicht zuletzt um sie körperlich stärker zu fordern, entschloss ich mich kürzlich, das Tier als Begleitung beim Joggen mitzunehmen. Ich hatte das schon häufiger bei anderen Läufern gesehen und das schien meist recht gut zu funktionieren. Also ab in den Kofferraum mit ihr und hin zum Badesee. Während des Stretchings macht Tonka brav “Sitz” und als ich lostrabe, weiß sie sofort, was ich von ihr will. Nach 300 Metern muss sie pullern, nach 400 Metern noch einmal und nach 500 Metern schließlich groß. Zum Glück habe ich wohlweißlich ein paar Häufchen-Tüten am Mann. Eine reicht nicht ganz, eine zweite nimmt das Häuflein auf, ab jetzt laufe ich mit einem warmen, dampfenden Päckchen in meiner linken Hand.
Nach der nächsten Biegung zieht Tonka mich fast in die Böschung, weil ein Radfahrer von hinten sie überrascht, ein paar Meter weiter zieht es sie mit aller Macht zu einem Rüden auf der anderen Seite des Weges und dabei direkt zwischen meine Füße. Mein Kopf schlägt nur Millimeter neben dem Päckchen mit der gefährlichen Fracht auf dem harten Kiesboden auf. Glück gehabt. Nachdem ich mich wieder aufgerappelt habe, laufen wir die nächsten 20 Minuten recht einträchtig nebeneinander her - schnaufend, schwitzend, hechelnd…
Nach 30 Minuten fällt Tonka dann plötzlich zurück. Ihre Zunge hängt fast auf dem Boden, das Hecheln wird schwerer. Ich muss das Tempo herunterschrauben und hin und wieder sogar eine kleine Spazierstrecke einlegen. Naja, so findet man seinen Rhythmus natürlich nicht. Ab jetzt habe ich also ein Zusatzgewicht hinter mir herzuziehen - eigentlich hatte ich eher auf einen Schrittmacher gehofft.
Irgendwie schaffen wir es aber doch um den See. Kurz vorm Ziel wird noch mal ein Häufchen abgesetzt. Tüten habe ich keine mehr, aber am Hundestrand gibt es zum Glück einen Spender. Hier darf Tonka dann auch noch ein paar Minuten baden und tollen. Das gibt zum Dank nach der ganzen Quälerei dann sogar noch ein echtes Hundelächeln für mich.
Ging ganz gut - so alles in allem. Aber allein ists doch unkomplizierter.

Tonka






Das hört sich nach viel spaß an, ich hätte gerne mal ein Foto von Tonka gesehen. Vielleicht setzt du ja noch eins rein und wie alt ist Sie denn?
Mein Hundi ist ein wenig kleiner als deine Tonka, ein Jack Russel, macht aber genau so viel Spaß mit Ihr.
Klar - gern… Das Foto ist ergänzt