08.07.2008
Kirschgarten
Die polnische Autobahn ist gut. Sehr gut sogar – keine Schlaglöcher, keine Baustellen, keine Staus. Leider verstehen polnische Autofahrer die Verkehrsregeln (Vorfahrt, Bedeutung der Ampelfarben, Spurseite zum Überholen) offensichtlich eher als unverbindliche Empfehlungen. Man fährt besser ausgeschlafen und wachsam in Polen.
Auch das polnische Essen ist gut. Besser noch als die Autobahnen sogar. Und wenn man schon mal da ist, will man es natürlich auch probieren. Davon abgesehen würde es Tante Anni sowieso niemals zulassen, dass man sich ohne adäquate Zufuhr der landestypischen Spezialitäten wieder entfernt. Also habe ich mehr aus Polen zurückgebracht, als ich mit hingenommen hatte: und zwar so zirka ein Kilo. Aber der Reihe nach…
Samstag Abend kommen wir nach acht Stunden Autofahrt mit Kind und Kegel in Tarnowskie Gory an. Wir wollen nur eben den Zimmerschlüssel für die Jugendherberge abholen und uns schnell frisch machen. Weit gefehlt: Tante Anni hat gekocht - glücklicherweise nur eine Tomatensuppe. Ein Anstandsteller schmeckt hervorragend und ist schnell verzehrt. Später am Abend verpflegen wir uns dann selbst beim Mexikaner mit etwas leichter Küche und Pilsner Urquell. Die Kinder schlagen allerdings beide Male voll zu – bekommen dafür aber kein Bier. Das ist fair.
Der Sonntag beginnt dann mit einem Kirchgang – so voll sind die Gotteshäuser in Deutschland nicht mal zu Weihnachten. Auf einem Flachbildschirm laufen die polnischen Texte zum Mitsingen. Wir versuchen uns an diesem Katholischen Kirchenkaraoke – mit eher mäßigen Erfolg. Eines muss man während des Gottesdienstes allerdings besonders häufig: Aufstehen. Das ist ja fast schon wie Frühsport hier.
Gegen Mittag versammelt sich die ganze Familie dann im Kirschgarten, um den Achtzigsten von Tante Anni zu feiern. Eine alte Scheune, die ein lokaler Künstler mit wenig Geld, dafür aber umso mehr Inspiration, in eine gastronomischen Oase der Ruhe verwandelt hat. Hier ist es traumhaft schön. Schon zur Mittagszeit sitze ich also mit einem Glas Rotwein inmitten von Kirschbäumen und schaue Kindern und Hunden beim Tollen im Garten zu. So kann es von mir aus bleiben.
Dann aber beginnt das Gelage: Auf Rouladen und mit Obst gefüllten Schweinerollbraten (natürlich mit zweierlei polnischen Klößen, Rot- und Weißkraut sowie tüchtig Soße) folgen Nuss- und Schokokuchen sowie gegen Abend Borschtsch und so was wie frittierte Eierkuchenrollen mit Thunfisch. Dazu wird reichlich Bier und Wodka gereicht. Ich probiere alles – wo ich doch eh schon mal da bin. Lediglich das Eis mit der Doppelrahmstufensahne lasse ich aus. Ich schaue es mir nicht mal an. Glücklicherweise macht sich auch Sohnemann nicht sonderlich viel aus der süßen Leckerei – so sitzen wir dann beide zur besten Eiszeit lieber draußen im Garten und spielen UNO. Er zieht mich gnadenlos ab.
Vor der Abfahrt am Montag Morgen kaufen wir im örtlichen Tante-Emma-Laden noch tüchtig polnische Süßigkeiten ein – vor allem natürlich Marmelatki. Auf der Heimfahrt machen wir zu Mittag dann noch mal Halt auf polnischer Seite. Ein paar letzte Piroggen mit ausgelassenem Speck – dann hat uns Deutschland wieder.
Schön war’s.






Samstag gegessen:
Müsli mit Apfel, Thunfisch-Steak auf Salat, Ofenkartoffel mit Sauerrahm, 1 Teller Tomatensuppe mit Reis, Putenbrust mit Reis und gemischter Salat
Sonntag gegessen:
Brote mit Schinken und Käse, Roulade mit Klößen, Rot- und Weißkraut, 1 Stück Nusskuchen, 1 Stück Schokokuchen, Bortschsch und frittierte Eierkuchenrolle mit Thunfisch
Montag gegessen:
Brote mit Krakauer, Schinken und Käse, 3 Pflaumen-Schoko-Bonbons, ½ Teller Piroggen mit ausgelassenem Speck, ein paar Bissen Schnitzel mit Kartoffel, etwas Kartoffelpuffer und Salzgurke, Krautsalat und Rohkost an der Raststätte, Grilled Chicken Salad bei McDonalds
Schön das Du noch Zeit bis zum Wochenende hast!
Was machst Du eigentlich mit der restlichen Zeit, wenn Du weiterhin so rasant abnimmst?
Wieder essen?
Gruß
Andrea
Da ich meine Ernährung jetzt umgestellt habe und auch aktuell nichts weiter entbehren muss, werde ich wohl einfach so weiter machen. Und ab und zu mal eine Sünde mehr zulassen (vor allem Schokolade und Bier). Wer weiß - vielleicht gibt es ja nächstes Jahr auch ein Projekt 85