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Gunter

Surströmming

Jetzt kommt was für Hartgesottene. Leser mit leicht reizbarem Magen und/oder schwachen Nerven sollten diesen Artikel sofort verlassen und stattdessen lieber die Liste der Weichei-Synonyme auswendig lernen. Ich habe ihn nämlich tatsächlich probiert, den berühmt/berüchtigten vergorenen Hering aus Schweden - den Surströmming.

Nun ja, vielleicht hätte ich mich vorher ein wenig schlau machen sollen, dann wäre es vielleicht nur halb so schlimm geworden. Aber schlau machen ist eben was für Abknickende-Vorfahrtstrasse-Blinker (weitere Synonyme siehe oben). Schließlich hätte ich euch sonst heute nicht die 5 wichtigsten Tipps für den perfekten Surströmming-Genuss präsentieren können.

1.) Surströmming erst kaufen, wenn die Dose schön ausgebeult ist (siehe Fotos unten). Die kleinen Ostseeheringe werden nämlich roh und mit Innereien (zumindest aber ohne Kopf) eingesalzen, vergoren und unerhitzt in Konservendosen abgefüllt. Die sogenannte Bombage bildet sich erst nach ca. 1/2 Jahr aus und zeigt an, dass die Nachgärung stattgefunden hat. Dann ist der Fisch so richtig schön zersetzt und von der Kosistenz her eher fließend.

2.) Die Surströmming-Dose niemals in geschlossenen Räumen öffnen. Beim Anstechen entweichen nämlich Faulgase, und das in der Regel mit einem ordentlichen, zischenden Spritzer. Der Profi öffnet die Dose daher im Freien in einem gefüllten Wassereimer und nimmt sie erst heraus, wenn’s nicht mehr blubbert. Ganz souveräne Zeitgenossen halten die Dose beim Anstechen einfach schräg - aber Achtung - nicht auf den Sitznachbarn zielen. Das wussten wir übrigens nicht - der Spritzer hat uns eher überrascht und Steffen voll erwischt.

3.) Unbedingt Nase zuhalten - meine Frau, die Tierärztin, verglich den entweichenden Duft des fauligen Suds mit dem Geruch der Katzenkadavertonne in der Pathologie wenn sie zwei Tage in der Sonne stand. Ich denke, sie könnte recht haben.

4.) Surströmming vor dem Verzehr ordentlich abspülen und mindestens eine Stunde wässern. Nun ja, das haben wir ehrlich gesagt versäumt. Womöglich schmeckte der Fisch deshalb nach in Fischform gepresstem Salzkonzentrat. Conny spuckte ihn sofort wieder aus, Grit zog zwar tapfer durch, bereute es aber den ganzen Abend lang (der Nachgeschmack war wirklich ekelhaft). Ich scheine auf den Beweisfotos noch am wenigsten beeindruckt von uns allen - widerlich fand ich es aber trotzdem.

5.) Alkohol tötet ab! Traditionell wird Surströmming mit Aquavit und kalter Milch gereicht. Gerade ersterer hat sicher eine ganz bestimmte Funktion - denn Alkohol senkt bekanntlich Hemmungen und hebt die Stimmung auch in schlechten Zeiten. Vielleicht macht er auch unanfälliger für abartige Geschmackseinflüsse? Ich empfehle zur Sicherheit eine ganze Flasche, am besten vorneweg.

Auf der Fähre nach Hause hieß es übrigens, wir hätten gefährliches Gut an Bord. Ich vermute, wir reisten unwissentlich neben ein paar LKWs, die Surströmming geladen hatten. Der Transport von Surströmming-Dosen ist nämlich sicher nicht ohne Grund auf Flügen von British Airways und Air France ausdrücklich verboten - wegen der möglichen Explosionsgefahr. Vielleicht könnte Scandlines hier mal nachziehen? Sicherheit geht schließlich vor.

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Alle Fotos von Steffen

6 Kommentare zu “Surströmming”

  1. Gunteram 30.08.2008 um 14:48

    Donnerstag gegessen:
    Müsli mit Banane, Salat mit gebratenem Gemüse, 1/2 Eierkuchen mit Champignons, Spinat und Schafskäse, 1/2 Eierkuchen mit Apfelmus

    Gestern gegessen:
    Körnerbrötchen mit Käse und Corned Beef, Vollkornnudeln mit Spinat, Schafskäse und Champignons, Rindersteak mit Salat, Tomate/Mozarelle, dunkles Baguette, Krautsalat, Tzaziki, eine Milchmaus

  2. Spielkindam 30.08.2008 um 16:01

    Du hast das echt gegessen?
    Respekt!

  3. Tom (Purzelpfund.de)am 01.09.2008 um 00:15

    Als nicht Fischesser komme ich da gar nicht in Gefahr, aber ich habe schon von Freunden von diesen Kriegswaffen gehört.

  4. Schnattchenam 04.09.2008 um 16:53

    das riecht ja selbst aus den schicken fotos raus, widerlich. schlimmer als mein “rotten shark” auf island. den hatte mir der busfahrer meiner reisegruppe mit so stolzgeschwellter brust als nationalgericht angeboten, ich konnte nicht nein sagen. wenigstens die konsistenz war nicht so ekelhaft, man aß es aus der tüte, chipsähnlich. nur eben hai, auch eingesalzen und vergraben für paar monate…bis es so richtig…rotten ist eben.
    nebenbei: das bist du auf den fotos, der leicht gebräunte, stramme herr mit dreitagebart? wir müssen uns neue witze für “time of my life” ausdenken, das mit den zwei dicken, die schonmal bessere tage hatten, funktioniert definitiv nicht mehr!

  5. spivam 06.09.2008 um 00:52

    Na das ist ja mit Abstand der schlimmste Beitrag bis jetzt. Schon beim lesen wird es einem anders. Ich glaube alles nördlich ab Flensburg hat keine Esskultur. Aber ob sowas wirklich immer Nationalgericht ist bezweifele ich fast. Wir essen ja auch nicht durchgehend Sauerkraut und Weisswurst und Pansen etc. Und in China gibts wahrscheinlich auch nicht immer Hund zum Frühstück.

    Hut ab vor deinem Mut!

  6. Stephi_blueam 16.09.2008 um 14:31

    Tja, ich bin spachlos! °00°°0°°00°° :))

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