03.11.2009
Zombies
Halloween ist vorbei - und natürlich haben es vor allem unsere Kinder ausgiebig gefeiert. Sie freuen sich alljährlich darauf wie allenfalls noch auf Geburtstage und Weihnachten. Ein bisschen eigenartig ist das schon, wenn man bedenkt, das wir selbst als Kinder das Fest überhaupt nicht kannten. Dabei wäre das Einsammeln von massenhaft Süßigkeiten definitiv mein Fall gewesen - und einen leichten Hang zum Morbiden hatte ich als Nachwuchs-Gruftie damals wohl auch. Erst in den 90er-Jahren aber schwappte “All Hallows Even” aus seinem irischen Mutterland über Amerika auch zu uns hinüber. Während meiner Kindheit in der DDR gab es zwar wohl Kürbisse, aus denen wurde aber in der Regel Suppe oder Kürbiskuchen gemacht. Gräßliche Fratzen zur Abwehr böser Geister haben wir niemals geschnitzt - dabei war doch gerade das Gespenst des Kapitalismus eine allgegenwärtige, nicht zu unterschätzende Bedrohung.
Damals klingelten wir als junge Menschen noch bei den Omas und Opas im Haus, um ihr Leergut zum SERO (Sekundärrohstoffhandel) zu bringen oder ihnen die Kohlen aus dem Keller nach oben zu tragen, nicht aber um sie zu nachtschlafender Zeit mit einem geschrienen “Süßes sonst gibts Saures!” wegen eines popeligen “Fetzer”-Riegels aus der wohlverdienten Nachtruhe hochschrecken zu lassen. Das wiederum ist der Jugend von heute vollkommen fremd. Es geht nur noch darum, wer am schnellsten zum nächsten Haus rennen, den höchstgelegenen Klingelknopf erreichen, am lautesten schreien und einen der vorderen Plätze am Gartentor ergattern kann. Glücklich und erfolgreich ist nur, wer beim abschließenden Tütenvergleich die dickste hat - eine perfekte Schule für die kaltherzige Welt des Kapitalismus.
Ich schlage vor, beide Traditionen zu kombinieren - vielleicht wäre das ja die Erfolgsstrategie, eine unerwartete Wendung, auf die niemand vorbereitet wäre, auch die nicht, die an Halloween die Fensterläden schließen, das Licht löschen und die Jalousien herunterlassen. Statt Hexen-, Zombie- oder Frankenstein-Kostüm wäre dann die passende Verkleidung als Jung- oder Thälmannpionier zu wählen (rote und blaue Dreiecks-Halstücher jetzt im Handel), statt “Süßes sonst gibts Saures” rufen wir “Vorwärts immer, rückwärts nimmer!” und marschieren gleichgeschaltet im Stechschritt von Haus zu Haus, die “Internationale” schmetternd.
Grusliger sind die kapitalistischen Zombies auch bloß nicht.
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Ei - was waren das noch für Zeiten. Ich erinnere mich noch gut an unsere SERO Sammeleien. Allerdings wollten wir auch damals schon die Marge steigern - mit 15Pfennig/Kg Altpapier hatten wir uns bald nicht mehr zufrieden gegeben.
Metall- und Buntmetall war schon in den 80′igern auch bei der SERO hoch im Kurs. Ganze Gusseiserne Heizkörper und riesige Boiler hatten wir aufm Bollerwagen dahin gebuckelt