28.06.2008
Zwischenzielanzug
Chacka! Ich bin sowas von motiviert. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie motiviert ich bin. Ich bin sogar so motiviert, daß ich mich in die Lage versetzt fühle, den Gesetzen der Physik - insbesondere denen der Adhäsion - trotzen zu können. Ich bin so motiviert, dass ich glaube, ich könnte in einen Anzug der Größe 58 passen. Ihr erinnert euch - vor gerade mal einem Monat hatte ich noch stolz von meiner neuesten Errungenschaft - damals noch in Größe 62 - berichtet. Das war doch für Anfänger. Jetzt will ich’s endlich mal wirklich wissen. Ich kaufe nur noch Anzüge für Männer.
Und das an einem für mich sehr ungewohnten Ort: in einem ganz normalen Kaufhaus. Dieses Gebäude verband ich bisher eigentlich ausschließlich mit dem Erwerb von Tonträgern, Haushaltswaren, Spielzeug, Uhren und Schmuck. Eventuell noch Batterien. Aber Bekleidungsstücke? In einem Kaufhaus? Ich kann mich nicht erinnern, wann das für mich das letzte Mal funktioniert hat. Aber, wie heißt es so schön: No risk, no fun! Also rein in die Welt des Konsums und einfach mal anprobieren.
Alles so schön laut und bunt hier. Ich verschanze mich direkt in der Umkleide - hier gehe ich nicht mehr weg. Conny wagt sich an die Front und kämpft sich durch die diversen Aufsteller. Aller fünf Minuten kommt sie mit einem neuen Teil - schwarze, dunkelblaue, braune. Alle in Größe 58 - größer gibt’s hier nicht. Eng sind sie alle - manche sogar noch enger als andere. Luft anhalten, Bauch einziehen, zu mit einem Ruck und langsam ausatmen. Sieht furchtbar aus, vor allem im Sitzen. Das könnte ‘ne ganze Weile dauern.
Die Kinder jagen sich inzwischen schreiend durch die Beine der Verkäuferinnen. Conny tut so, als würde sie sie nicht kennen. Hin und wieder schüttelt sie den Kopf und hält mit vorwurfsvollen Augen Ausschau nach der zugehörigen Erziehungsberechtigten. Hier muss doch mal jemand für Ruhe sorgen. Dann bringt sie mir in leicht gebückter Schutzhaltung schnell zwei weitere Anzughosen. Ich probiere. Beide sind zu eng. Ich will noch nicht aufgeben.
Noch etwas später - Levi hat sich inzwischen im Hauptgang auf den Boden gelegt, wo Leo versucht, ihn mit einem Herrengürtel anzuleinen - bringt Conny mir noch einen Anzug. Den letzten. Passt auch nicht. Ich bin verzweifelt. Das will ich nicht auf mir sitzen lassen. “Wir probieren den Hellbraunen noch mal.”, sage ich. Einatmen, einziehen, anspannen und ganz langsam locker lassen. Conny sagt, Frauen kaufen sich ständig Teile, die spannen und zwicken, um sich daran zu erinnern, dass sie noch weiter abnehmen müssen. Was die können, kann ich schon lange. Bequeme Klamotten sind was für Mädchen. Der wird jetzt gekauft. Den Gürtel, an dem Levi hängt, nehmen wir auch gleich noch mit.
Letzte Woche habe ich den Anzug dann getragen und ungefähr 20 mal gehört, wie außergewöhnlich gut er mir steht. Den durch eine unachtsame Bewegung entstandenen Riss an der Gesäß-Naht hat hoffentlich niemand gesehen. Der wird am Wochenende genäht und nächste Woche trage ich den Anzug wieder. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. Also kann er ja wohl auch damit schrumpfen.
U better be happy that dress is still on - I heard the rip when u sat down. (Prince, Get Off)

Über 300 Euro für einen Zwischenzielanzug??? Scheitern muss weh tun, damit man es erfolgreich vermeidet.






Donnerstag gegessen:
Vollkornbrot mit Käse, Tomate, Großer Salatteller, Chinesisch Nudeln Szechuan Art, Apfel
Freitag gegessen:
Müsli mit Erdbeeren, Chinesisch Glasnudeln mit Hühnchen, Obstsalat, Steak mit Tomatensalat
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Hallo. Ich bin durch Zufall auf diese Seite gekommen. Ich habe mir den Artikel schon mehrmals durchgelesen und ich finde ihn wirklich interessant. Der Artikel regt durchaus zum Nachdenken an. Ich glaube ich muss über einige Rangehensweise in meinem Le…